Briefkopf

Die Anamnese

Wie Sie Behandlung planen und Komplikationen vermeiden

Behandlung planen und Komplikationen vermeiden

Was ist die Anamnese?

Die Anamnese ist die sogenannte "Krankengeschichte" eines Patienten. Sie wird in der Regel vor der Behandlung mit Hilfe des "Anamnesebogens" erhoben und dokumentiert. Es ist alles wichtig, was im Zusammenhang mit Ihrer Erkrankung stehen könnte und eventuell auch schon unternommen wurde.

Wichtig sind aber auch die Angabe von Allergien, Allgemeinerkrankungen und Medikamenten, die sie regelmäßig einnehmen. Dies ist sehr wichtig, um die Behandlung Ihrer individuellen Situation entsprechend anzupassen und mögliche Komplikationen zu vermeiden.

Informieren Sie uns vor jeder Behandlung, wenn sich zwischenzeitlich etwas an Ihrem Gesundheitszustand geändert hat oder Ihnen neue Medikamente verschrieben wurden!

Hier können Sie den Anamnesebogen herunterladen

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Welche Erkrankungen müssen Sie uns vor der Behandlung nennen?

Infektionskrankheiten

Leiden Sie unter Infektionskrankheiten, wie beispielsweise Hepatitis oder HIV, müssen besondere Schutzmaßnahmen ergriffen werden, um eine Infektion auszuschließen. Oft ist es auch nötig, andere oder zusätzliche Behandlungen vorzunehmen, da ein Patient mit einer infektiösen Allgemeinerkrankung ein vermindertes Immunsystem aufweist, was dazu führen kann, dass eventuell auftretende Entzündungen oder ähnliches einen gravierenderen Verlauf nehmen, als bei einem gesunden Patienten.

Leber- und Stoffwechselerkrankungen

Bei Leber- und Stoffwechselerkrankungen kommt es oft zu Problemen mit der Blutgerinnung, da viele der für die Gerinnung nötigen Gerinnungsfaktoren in der Leber synthetisiert werden. Insofern ist von uns zu entscheiden, ob vor einer Behandlung, bei der es zu stärkeren Blutungen kommen kann, Medikamente zur Unterstützung der Blutgerinnung gegeben werden. Ein sog. Quick-Wert oder besser INR-Wert kann bestimmt werden, mit dem man feststellen kann, wie schnell die Blutgerinnung von statten geht.
Des Weiteren können Leber- und Stoffwechselerkrankungen zu Wundheilungsstörungen führen. Dies bedeutet, dass nach einem Eingriff meist unterstützende Behandlungen erforderlich sind, um ein ähnliches Heilungsbild zu erreichen, wie bei einem gesunden Patienten.

Herz- und Kreislauferkrankungen

Das Problem bei Herz- und Kreislauferkrankungen ist einerseits die Erkrankung an sich, andererseits die Folgen daraus. Bestimmte Bereiche werden schlechter durchblutet, als bei einem gesunden Patienten. Weiterhin kann die Betäubungsspritze das Stresshormon Adrenalin enthalten, das gefäßverengend wirkt und bei Menschen, die schon einen Herzinfarkt hinter sich haben, oder an anderen schweren Gefäßkrankheiten leiden, kann eben dieses Adrenalin zu Herz-und Kreislaufproblemen führen. Das Herz ist meist anfälliger für Entzündungen, z.B. können bei der Extraktion eines Weisheitszahnes Bakterien aus der Mundhöhle in den Blutkreislauf gelangen, und eine Entzündung des Herzens hervorrufen, die im schlimmsten Fall tödlich enden kann. Darum sollte der Behandler, bevor er einen solchen Patienten behandelt, diesen antibiotisch abdecken, d.h. der Patient bekommt schon vor dem Engriff ein Antibiotikum, welches die Bakterien, sobald sie in den Kreislauf kommen bekämpft.
Dies können wir aber nur tun, wenn wir von Ihnen darüber informiert werden, dass eine solche Krankheit besteht.
Zum anderen stellen die Medikamente, die ein Patient mit Herz- oder Kreislauferkrankungen einnimmt, ein nicht zu geringes Problem bei invasiven Behandlungen, wie einem operativen Eingriff dar. Ein häufiges Medikament, welches diese Gruppe von Patienten nehmen müssen, ist beispielsweise Marcumar. Marcumar ist ein Vitamin K-Antagonist, ein für die Blutgerinnung nötiges Vitamin. Einfach gesprochen verzögert Marcumar die Blutgerinnung, was bei Patienten zur Verhinderung einer Thrombose, bzw. Embolie auch sinnvoll ist, jedoch für uns als Operateur ein nicht zu kleines Problem darstellen kann. Vor chirurgischen Eingriffen ist es deshalb sinnvoll, vorher vom Hausarzt den Quick-Wert oder INR-Wert ermitteln zu lassen, und in Abstimmung mit ihm gute Bedingungen für den operativen Eingriff zu schaffen.

Magen-Darm-Erkrankungen

Hauptsächlich wichtig, damit entschieden werden kann, welche Medikamente verordnet werden können. Zum anderen können auch Wechselwirkungen zwischen Medikamenten, die wegen Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes genommen werden und Medikamenten, die postoperativ verordnet werden, auftreten.

Erkrankungen der Niere

Insofern wichtig, da viele Medikamente über die Niere abgebaut, bzw. ausgeschieden werden. Funktioniert die Niere nicht so wie sie soll, muss dies bei den Medikamenten, die eingenommen werden, berücksichtigt werden.

Allergien

Allergien können gegen die verschiedensten Dinge auftreten, bzw. bestehen. Angefangen von Allergien gegen Medikamente, wie beispielsweise gegen bestimmte Antibiotika (z.B. Penicillin), Schmerzmittel (ASS, Paracetamol) bis hin zu Allergien gegen relativ alltägliche Dinge wie Hausstaub, Tierhaare, Nahrungsmittel und vieles andere. Dies ist für den Behandlungsverlauf insofern wichtig, als dass bei Behandlung eines Patienten mit einem Stoff, gegen das der Patient allergisch ist, weitreichende Konsequenzen haben kann, bis hin zum anaphylaktischen Schock, der bisweilen tödlich enden kann.
Weiß man, dass man auf bestimmte Dinge allergisch reagiert, und sei es nur Heuschnupfen, ist es sinnvoll, sich einen Allergiepass zuzulegen, und diesen dann auch in einem Anamnesegespräch vorzuzeigen.
Eine Allergie ist genau wie eine Allgemeinerkrankung kein Grund dafür, dass eine Behandlung nicht durchgeführt werden kann, es ist lediglich für uns als Behandler notwendig, über diese informiert zu werden, damit darauf eingegangen werden kann. So gibt es z.B. relativ oft eine Allergie gegen Latex, welches in den meisten Untersuchungshandschuhen enthalten ist. Informieren Sie uns darüber, so können wir auf latexfreie Handschuhe ausweichen, und das Problem ist gelöst.

Was ist vorab noch wichtig?

Vorhergehende Behandlungen

Sind vor dem geplanten Eingriff schon Behandlungen vorgenommen worden, so ist es ebenfalls wichtig, uns darüber zu informieren. Einerseits führen Vorbehandlungen zu anderen Bedingungen, z.B. treten nach einer Operation Vernarbungen auf, die z.T. ein anderes operatives Vorgehen erfordern; zum anderen kann man sich gewisse Behandlungen ersparen, wenn ein anderer Vorbehandler diese schon vorgenommen hat, und diese ohne Erfolg blieben.

Regelmäßig oder unregelmäßig eingenommene Präparate

Neben Medikamenten, die zur Behandlung von Erkrankungen eingenommen werden, gibt es auch solche, die normalerweise ohne ärztliches Wissen und ohne auf die Behandlung einer bestimmten Krankheit abzielen, eingenommen werden.
Beispielsweise wären hier Dinge, wie Vitaminpräparate oder sonstige Nahrungsergänzungsmittel, zu nennen, die keine Einflüsse haben müssen oder können.
Wichtiger sind jedoch Präparate, wie Schmerzmittel (beispielsweise ASS/Aspirin). Oft kommt es vor, dass eine Schmerztablette gegen Zahnschmerzen eingenommen wird; im schlimmsten Falle muss der Zahn evtl. entfernt werden; die Blutung kommt anschließend nicht zum Stehen, da ASS die Blutgerinnung z.T. stark verlangsamt.
Fazit: nehmen Sie Medikamente, informieren Sie uns bitte, seit wann, in welchen Mengen und warum Sie diese nehmen; am besten mit Namen des Präparates (evtl. Verpackung mitbringen).

Konsumierte Genussmittel

Genussmittel wie Nikotin, Alkohol und Drogen haben Einfluss auf Behandlung und Wundheilung.
Nikotin ist ein Zellgift! Durch Rauchen verschlechtert sich die Wundheilung erheblich. Insofern sollte man selbst als starker Raucher ein paar Tage warten, bis die primäre Wundheilung abgeschlossen ist, am besten bis die Fäden, falls genäht wurde, – gezogen sind (meist 6-10 Tage). Nebenbei hat Nikotin auch noch die Eigenschaft, die Durchblutung zu verschlechtern, was dem Heilungsprozess auch entgegen wirkt.
Alkohol: man könnte jetzt auf den desinfizierenden Charakter des Alkohols eingehen …; – kurz gesagt: Alkohol ist giftig für die Zellen, die zum Heilen der Wunde beitragen; deshalb sollte auf ihn verzichtet werden!
Drogen: in Ihrem Sinne informieren Sie uns!